Faszinierend: “Bauernsilber”

Ein faszinierendes Nebenprodukt der Spiegelherstellung sind die innen versilberten doppelwandigen Hohlgefäße. Hierzu gehört die Christusfigur im Glasmuseum Wertheim, die um 1880 im Bayerischen Wald oder in Böhmen entstanden ist. Sie ist unser heutiges Museumsstück. Zu finden ist sie unter C, bei dem ebenfalls innen versilberten Christbaumschmuck und gegenüber den ebenfalls innen verspiegelten doppelwandigen Isoliergefäßen.


Die richtige Benennung der landläufig als Bauernsilber bekannten Figuren, Leuchter, Frucht- und Konfektschalen sowie anderer Gegenstände sollte eigentlich Silberglas sein. Denn der Ursprung dieser doppelwandigen Hohlgefäße kam daher, dass man nach einer Möglichkeit suchte, die empfindliche Silberschicht vor Abrieb und Feuchtigkeit zu schützen. Silberglasgefäße waren von äußerst dünnem Glas und handwerklich von äußerst anspruchsvoller Beschaffenheit. Sie waren begehrte Prestige- und Designobjekte für gutbürgerliche Haushalte und nie gedacht als billige Massenware für die breite Bevölkerungsschicht. Die heute hartnäckig sich haltende Bezeichnung als Bauernsilber geht vermutlich auf die spätere Verwendung als Devotionalien und Wallfahrtsprodukte zurück.

Text: Barbara Benz
Foto: Glasmuseum Wertheim